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HIGH SOCIETY | 25 Interview | International
 
High Society International
 
 

 

„Bin Transe und
Kunstfigur!“

 

Sie ist Diseuse, ätherisch, catwalksupermodelschlank. Couturekleider sind ihr kein Fremdwort. Sie ist nicht da, sie erscheint: Lucy Mc Evil entstand als Kunstfi gur 1998. Und wie? „Ich arbeitete mit wunderbaren Kollegen damals im Cafe Berg und wir beschlossen die „Villa Valium“, eine Sitcom für die Bühne, ins Leben zu rufen. Da ich schon immer einen Hang zur spitzen Zunge gepaart mit einem leicht malignen Charakter hatte, konnte ich meinen schlechte Eigenschaften ungehemmt als Kunstfigur freien Lauf lassen.“  

Was hat Lucy noch zu sagen? „Tja, ich habe das Privileg gehabt, mit vielen hochinteressanten Regisseuren und auch anderen Menschen aus dem Kulturbetrieb zusammenzuarbeiten. Ich wurde zum Ensemblemitglied des „aktionstheater ensemble“ unter der Regie von Martin Gruber, habe in Hamburg unter der Regie von Matthias Engelmann den Puck im Sommernachtstraum gespielt. Habe in Wien eine wunderbare Produktion mit Hubsi Kramar gemacht. Letztes Jahr durft e ich die emigrierte Beat-Poetin Ruth Weiss kennen lernen und in einem ihrer Stücke spielen, hab’ eine Performance mit der bildenden Künstlerin Ona B. im Künstlerhaus gemacht. War als Bauherrin an der ETH in Zürich, wozu mich Gregor Eichinger, der fabelhafte Architekt, eingeladen hat…mein Tätigkeitsfeld, wie auch meine Interessen sind vielfältig.“

25: Lucy Mc Evil ist ein Kunstbegriff in Österreich, was verbirgt
sich dahinter?

Lucy Mc Evil: Hinter Lucy Mc Evil verbirgt sich nichts…
es sind nur andere Aspekte meiner Person, die etwas verstärkt
werden. So wie man einen Scheinwerfer auf einen Winkel
seiner Persönlichkeit richtet, die sonst eher im Dämmerlicht
bleibt. Für mich hat es absolute Normalität, dieser Wechsel
von privat zur Kunstfi gur.
25: Wie sind deine künstlerischen Anfänge?
Lucy Mc Evil: Mitte der neunziger Jahre habe ich begonnen
mit Freunden so halbdilletantisch Musik zu machen und zu
singen. Dann kam 1998 wie schon erwähnt die Villa Valium,
die als Initialzündung fungiert hat, und von da an ist es ziemlich
steil aufwärts gegangen und zwar in die Richtung, die ich
mir gewünscht habe.
25: Erkläre uns bitte den Unterschied zwischen Drag Queen und Travestie.
Lucy Mc Evil: Eine Drag Queen würde ich als männliches Partygirl
mit übersteigertem Selbstbewusstsein bezeichnen (meine
ich jetzt nicht so wertend wie es klingt – ich mag Drag Queens),
und Travestie ist es, für die Bühne in die Attribute des anderen
Geschlechts zu schlüpfen. Aber irgendwie ist dieser Begriff fast
schon antiquiert. Ich denk da immer an grauenvolle „Damenimitatoren“,
die sich am Ende der Show auf off ener Bühne abschminken,
obwohl von Anfang an jeder im Raum gewusst hat,
was dahinter steckt. Ich selber bezeichne mich am liebsten als
Transe und Kunstfigur, da ist von allem was dabei.
 

25: Kennst du Ingrid Caven? Magst du sie (ich fahr voll auf sie ab *g*)?
Lucy Mc Evil: Ingrid Caven ist DIE Vertreterin eines neuen deutschen Chansons. Ich mag ihre Radikalität und auch – was ich am wenigen aushalte – ihren Manirismus. Sie ist ja erst in Frankreich zum großen Star geworden. In Deutschland und hierzulande ist sie über den Status des Geheimtipps nicht hinausgekommen. In diesem Fall wäre eine Breitenwirkung wohl auch eher suspekt. Ich mag Künstlerinnen, die es nicht drauf anlegen, allen zu gefallen.
25: Wenn du dich einem Fremden beschreiben musst, wie sieht diese Beschreibungaus?
Lucy Mc Evil: Groß, schlank, grün-grau-blaue Augen, warmherzig, verletzend, integer, zynisch, liebevoll, bösartig…
25: Willst du wissen, wie deine Zukunft aussieht?
Lucy Mc Evil: Nein.
25: Bist du schicksalsergeben?
Lucy Mc Evil: Nein.
25: Ist die Frau von Welt auch tough?
Lucy Mc Evil: Wenn es hart auf hart geht, würde ich sagen: der Unterschied zwischen mir und einer Terroristin ist, dass man mit einer Terroristin verhandeln kann.
25: Spielst du mit den Männern?
Lucy Mc Evil: Ja, ausgiebig.
25: Erzähl uns von deinem Traummann, wenn es einen geben sollte.
Lucy Mc Evil: Gibt es nicht. Ich nehm’ sie, wie sie kommen.
25: Gibt es eine Schauspielerin, die dich beeindruckt (hat)?
Lucy Mc Evil: Da gibt es sehr viele. Geena Rowlands zum Beispiel, Susanne Brandt, Kirsten Dene, Bea Frey, Beatrice Arthur, Roswitha Soukup… aber das hängt auch immer davon ab, was ich gerade gesehen habe, mit wem ich gerade zusammenarbeite.
25: Welches Buch liest du gerade?
Lucy Mc Evil: Mrs. Dalloway von Virginia Woolf.
25: Was machst du berufl ich in nächster Zukunft?
Lucy Mc Evil: Ende Mai habe ich Premiere in Bregenz im Festspielhaus mit dem Aktionstheaterensemble in einem Stück von Antonin Artaud; „die Cenci“, ein Stück über Gewalt und wie man damit umgeht. Dann kommt im Sommer, am 20. August, unter Hubsi Kramars Regie „Evita Peron“ des argentinisch-französischen Autors und Cartoonisten Copi heraus – ich spiele natürlich Evita. Im Herbst habe ich monatlich Konzerte im 3raumtheater
und Anfang November singe ich, begleitet von meinen drei fantastischen Musikern, die Winterreise von Franz Schubert ebendort. Die deutsche Autorin und Essayistin Gisela von Visocky ist gerade dabei, mir ein Stück auf den Leib zu schreiben oder, um präziser zu sein, ins Gesicht zu schreiben. Es wird in dem Stück um Gesichter gehen und es wird Anfang Dezember herauskommen. Lauter interessante Sachen, auf die ich mich schon sehr freue.



Vielen Dank für das Gespräch!

 

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Mehr Info: 25-online.at

 
 
 
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